Dr. Ingolf Bühler

Psychotherapeutische Medizin


In unserer Praxis werden verschiedene Bausteine als sogenannte integrative Psychotherapie mit unterschiedlichen, individuell sich ergebenden, Schwerpunkten eingesetzt.


Die Kognitive Verhaltenstherapie basiert vor allem auf neurowissenschaftlichen Forschungsergebnissen und ist die am besten  wissenschaftlich abgesicherte Therapieform.

Die Ursprünge gehen auf vorwiegend amerikanische Pioniere wie Ellis, Beck, Maultsby, Meichenbaum und Lazarus zurück.

Die eine Gruppe verfolgte zuvor psychoanalytische Konzepte, die andere Gruppe praktizierte klassische Verhaltenstherapie.

Beide Gruppen wendeten sich von diesen Therapieschulen ab, da sie diese insgesamt als zu ineffektiv erlebten. Sie entwickelten die  so genannte "Kognitive" Therapie, die sich schwerpunktmäßig mit unserem "Denken", Interpretieren und Bewerten beschäftigt. Sie  fanden heraus bzw. entdeckten wieder, dass unser (automatisches und unbewusstes) Denken unsere Gefühle bestimmt und dass  wir durch Änderungen unserer Gedanken langfristig Gefühle verändern können. Diese Erkenntnisse waren nicht wirklich neu, da    schon andere in früheren Zeiten diese Zusammenhänge erkannt hatten. Typischerweise wird der stoische Philosoph Epiktet zitiert, der ca. 50 bis 130 n. Chr. in Rom und Griechenland gelebt hat:

 

Es sind nicht die Dinge selbst, die die Menschen beunruhigen, sondern die Vorstellung von den Dingen

 

Die kognitiven Verfahren wurden dann zunehmend in die klassische Verhaltenstherapie übernommen, so dass heute in der  Gesamtheit von der Kognitiven Verhaltenstherapie, oder kurz KVT, gesprochen wird. 

Die KVT bezieht also unsere Denkprozesse und unser Verhalten gleichermaßen in die Psychotherapie mit ein, um effektiv und effizient Veränderungen bei psychischen Störungen und Problemen zu bewirken.

 


 

Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie

Die Achtsamkeitsbasiere Psychotherapie basiert auf buddhistischen Traditionen, die an das westliche Denken angepasst wurden. Es geht darum, Abstand von automatischen Prozessen unseres Verstandes zu bekommen um ungünstige Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster wahrzunehmen und durch Achtsamkeit auf das „Hier und Jetzt“ Abstand zu gewinnen. 

 

Man kann sich Achtsamkeit als nichturteilendes Gewahrsein von Moment zu Moment vorstellen, ein Gewahrsein, das kultiviert wird, indem man auf eine bestimmte Weise aufmerksam ist, das heißt im gegenwärtigen Augenblick und so wenig reaktiv, so wenig  urteilend und so offenherzig wie möglich.  

Aus dieser Art der Aufmerksamkeit ergibt sich das Potential zu tiefer und klärender Einsicht.

Die MBSR ist ein Trainingsprogramm, das nachweislich zu guten Ergebnissen bei unterschiedlichen Störungen, Erkrankungen und  Problemen führt. 

Die Achtsamkeit im Alltag wird möglichst häufig geübt, so dass sie langfristig in Fleisch und Blut übergeht.

Über Achtsamkeit als psychotherapeutische Intervention gibt es eine Fülle an Literatur und Kursen für Laien wie für Profis.

 

Ich empfehle die einfachste Methode:

Nehmen Sie sich 5 bis 10 Minuten täglich Zeit. Achten Sie mit  all Ihren Sinnen auf einen Gegenstand, eine Landschaft, ein Zimmer oder was immer Sie sich aussuchen. Beschreiben Sie was Sie sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen ohne das zu bewerten, was Sie wahrnehmen. Beschreiben Sie genau und wahrhaftig Ihre momentanen Gedanken, Gefühle und was Sie an ihrem Körper wahrnehmen. Auch bei diesem 2. Schritt bewerten Sie nicht. Es kann nicht schaden, wenn Sie diese Übung auch am selben Tag nochmals wiederholen.

 


 

Die Akzeptanz und Commitment* Therapie (ACT) ist eine neue Art der Verhaltenstherapie, bei der auf Akzeptanz ausgerichtete  Behandlungsstrategien in entscheidender Weise die veränderungsorientierten Strategien ergänzen. Denn neben der klinischen   Erfahrung mehren sich zunehmend auch mit wissenschaftlichen Methoden gewonnene Erkenntnisse, die zeigen, dass Akzeptanz und Offenheit gegenüber der erlebten Erfahrung sowohl mit körperlichen als auch psychischen Vorteilen verbunden sind. ACT gründet sich auf das Paradoxon, dass die radikale Akzeptanz dessen, was wir nicht verändern können, uns mit Kraft und Möglichkeiten ausstattet, das zu verändern, was wir tatsächlich verändern können. Die therapeutische Zielsetzung von ACT betrifft  daher weniger und nur indirekt die Beseitigung von Symptomen und Beschwerden.  Sie richtet sich vielmehr hauptsächlich auf die Förderung einer konstruktiven Lebensweise, die sich am Lebenssinn und den persönlichen Werten und Zielen des Patienten orientiert. Diese Vorgehensweisen werden abhängig von der Problemkonstellation in den Gesamtbehandlungsplan miteinbezogen und ergänzen effektiv die kognitiv verhaltenstherapeutischen Basisstrategien.

 


 

Entspannungsverfahren helfen Menschen, sich besser und effektiver zu entspannen und insgesamt ruhiger zu werden und zu bleiben. Vor allem Menschen mit einer erhöhten Grunderregung ist dringend zu empfehlen, regelmäßig aktive Entspannung  durchzuführen, um langfristig die Erregung zu senken.

Progressive Muskelrelaxation nach Jakobsen  (PMR) ist vor allem für Einsteiger sehr wirksam. Es werden systematisch bestimmte Muskelgruppen angespannt und dann wieder aktiv losgelassen, was relativ kurzfristig zu einer tiefen Entspannung führt. Anfangs  dauert eine Sitzung ca. 30 - 40 Minuten, im Verlauf werden aber dann immer kürzere Einheiten gemacht. Das Training muss langfristig mindestens einmal täglich an mindestens fünf Tagen der Woche durchgeführt werden, um erlebbare Ergebnisse zu erzielen. Wenn Sie ich entsprechende Audio- oder Videodateien aus dem Internet oder Youtube heraussuchen, wählen Sie unbedingt die Versionen ohne Musik!

Autogenes Training (AT) geht auf den Arzt I. H. Schultz zurück und hat sich ebenfalls sehr bewährt. Der Vorteil vom AT ist, dass sehr  kurz pro Einheit (3 bis 5 Minuten) geübt wird und es quasi an jedem Ort durchgeführt werden kann. Dafür muss mehrmals am Tag  geübt werden. Längere Einheiten sind natürlich auch möglich und wirksam. Die Wirkung setzt erst nach ca. 2 bis 4 Monaten richtig  ein und führt dann zur tiefen Entspannung.

 


 

Hypnotherapie

Hypnotische Prozesse werden schon seit Jahrtausenden von Zauberern, Schamanen und Heilern eingesetzt, um Menschen zu  beeinflussen. Die moderne Hypnotherapie geht auf den Arzt Milton H. Erickson zurück, der eine umfassende Methode der Beeinflussung von psychischen Prozessen entwickelt hat. Unbewusste automatische Prozesse beeinflussen tiefgreifend unser  Erleben und Handeln. Diese Muster sind häufig hartnäckig und wenn überhaupt nur mühsam zu verändern. Hypnotische Strategien   können eine Hemmung von ungünstigen und eine Bahnung von erwünschten psychischen Prozessen bewirken. Ebenfalls können Aufmerksamkeitsprozesse verändert werden, was ebenfalls hilfreich wirken kann. Durch sogenannte Suggestionen werden Trancezustände erreicht, die sowohl von Außen, also einer Therapeutin oder einem Therapeuten, als auch selbst eingeleitet werden können

 

Die moderne kognitive Verhaltenstherapie kann die Hypnotherapie am einfachsten integrieren, da es hier keine theoretischen  Widersprüche gibt, und sie um ein vielfaches bereichern.